Stefan Weißert nimmt seinen Abschied

Ruhestand
Stefan Weißert geht in den Ruhestand.

Schorndorf.

Er hat eine Eselsgeduld und erklärt es auch drei Mal, wenn es sein muss, bescheinigen ihm seine Schüler. Seit 17 Jahren ist Stefan Weißert Schulleiter der Grafenbergschule, seit zehn Jahren Geschäftsführender Schulleiter der acht Beruflichen Schulen im Kreis. Zum Schuljahresende geht der 64-Jährige in Ruhestand.

In Ulm an der Donau geboren und in Welzheim aufgewachsen, wurde er während der Offiziersausbildung bei der Bundeswehr ermuntert: „Werden Sie Lehrer“. Tatsächlich erkannte Weißert während seines Maschinenbaustudiums, dass Berufsschullehrer nicht nur ein Beruf, sondern seine Berufung sein würde. Nach einem Jahr an der Robert-Bosch-Schule in Zuffenhausen kam er 1987 als Lehrer für Fertigungstechnik und Fahrzeugtechnik an die Technische Schule (heute Grafenbergschule) Schorndorf. Völlig selbstverständlich war seinerzeit, dass man in der Berufsschule alle Fächer unterrichtete, also auch Mathe oder Gemeinschaftskunde. Danach leistete er am damaligen Oberschulamt Pionierarbeit im Bereich Lernort-Kooperation mit Betrieben.

Mit jungen Menschen gestalten

Im Jahre 2000 wechselte er als Personalreferent für die Lehrereinstellung und als Fachreferent für Metall- und Fahrzeugtechnik ganz ans Oberschulamt. Doch eigentlich wollte er ja Lehrer sein, mit jungen Menschen arbeiten und Schule gestalten und sein Credo verwirklichen: „Wir träumen Bilder von der Menschheit und geben indessen auf den Buben nicht acht, der Hans heißt. Und der Bub wird nichts nutz, weil wir umnebelt von den Träumen der Menschheit den Hans vergessen.“ (Johann Heinrich Pestalozzi).

2004 kam Stefan Weißert als Schulleiter an die Grafenbergschule zurück. Den Menschen sehen, ihm zugewandt sein, zuhören und besonnen handeln: dieser Führungsstil prägte das Miteinander der Schulgemeinschaft der Grafenbergschule Schorndorf. Dabei begegnete Stefan Weißert allen auf Augenhöhe und mit voller Wertschätzung: der Lehrkraft, der Reinigungskraft, der Sekretärin oder dem Hausmeister. Und natürlich den Schülerinnen und Schülern, deren Zahl im aktuellen Schuljahr an der Grafenbergschule auf knapp 3000 angewachsen war. Diesen begegnete er nicht nur auf Augenhöhe, sondern auch mit Augenmaß. Gab es ein Fehlverhalten, so sah er immer den „Buben“, zeigte ihm mit Ruhe und Konsequenz die Grenzen auf.

„Es ist nie der Mensch, den wir verurteilen, sondern die Tat“, sagt Weißert und fügt nach einigem Nachdenken hinzu: „Die Jugendlichen haben sich gar nicht so sehr verändert, vielmehr sind es vielleicht wir, die sich verändert haben. Die jungen Leute sind immer noch neugierig, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur Routine vermitteln, sondern als Schule auf Veränderungen reagieren. Dabei helfen uns möglicherweise unsere gewohnten Strategien nicht mehr.“ Das habe man auch vielleicht aus der Pandemie gelernt, meint er. „Wir müssen mit Unvorhersehbarem umgehen lernen.“

Was wird ihm im Ruhestand fehlen? „Den Umgang mit den Schülerinnen und Schülern und mit dem Kollegium werde ich vermissen“, sagt er, „aber definitiv nicht die vielen Verordnungen und Vorschriften und den Kampf bei der Unterrichtsversorgung in Mangelfächern oder bei der Unterkunftsversorgung für die Blockklassenschüler.“ Neben diesen alltäglichen Herausforderungen fiel in seine Amtszeit die Einrichtung und der Ausbau neuer Berufsbilder, wie Berufskraftfahrer und Baugeräteführer oder die Unterbringung der Geflüchteten in den Sporthallen der Kreisberufsschulzentren.

Die Entscheidung, ein Jahr früher als gesetzlich vorgesehen in den Ruhestand zu gehen, hat Stefan Weißert nicht bereut. Ein neuer Lebensabschnitt mit viel Zeit und Muße für die Familie und Freunde, mit der kleinen Enkelin oder den Schlepperfreunden Welzheim beginnt. Obendrein wird beim Wandern oder Imkern bestimmt keine Langeweile aufkommen.
 

Quelle
Schorndorfer Nachrichten, 28.07.21, B8
Pressearbeit
sa / Grafenbergschule