Brutkästen für die Mauersegler sind fertig

Brutkästen
Ein Doppelbrutkasten

Projekt der Grafenbergschule war durch Corona unterbrochen

Schorndorf.

Im Dezember bei eisigen Temperaturen schleppten und schichteten die Schülerinnen und Schüler der Klasse AVDual 3 riesige Äste von zwei Tannen, die zuvor von zwei Lehrern (natürlich mit entsprechender Ausbildung) gefällt und zersägt worden waren.

Wofür das Ganze? Brutkästen für Mauersegler sollten entstehen. Das ganze Schuljahr über planten und fertigten die Schülerinnen und Schüler die zehn Kästen mit je zwei Brutkammern. Die Begeisterung war groß, die 15 Jugendlichen aus sieben Nationen lernten sozusagen ganzheitlich mit Hand und Hirn: zuerst das Holz machen, die Pläne zeichnen, das Holz zurechtsägen, montieren und zuletzt schleifen. Alles lag prima im Zeitplan. Doch dann geriet mit der Schulschließung am 17. März alles durcheinander. Schließlich kann man Brutkästen nicht online zusammenbauen. „Es hat richtig Spaß gemacht, vor allem das Montieren und Streichen der Kästen, schade, dass wir das nicht fertigstellen konnten“, sagt Samer, der endlich wieder in die Schule gehen kann, da er im Juni den Hauptschulabschluss macht.

Andreas Tropper, Werkstattlehrer und Leiter des Projekts, nahm die halbfertigen Kästen einfach mit nach Hause und erledigte die restlichen Arbeiten. Am 4. Mai konnte er wieder in die Werkstatt der Grafenbergschule, um dort alles schön zu schleifen. Leider immer noch ohne Schüler, denn die büffeln nun nebenan im Klassenzimmer für die Fächer der Abschlussprüfung: Mathe, Deutsch, Englisch. Schließlich wurden die Kästen letzte Woche aufgehängt. Der Frühling und die Mauersegler kennen ja Gott sei Dank keinen Lockdown und werden die Brutstätten hoffentlich bald besiedeln.

Dass der Schulhof während des eingeschränkten Unterrichts weniger belebt ist, ist in dieser Hinsicht vielleicht sogar von Vorteil. Ornithologe Arnold Sombrutzki, der die Lehrkräfte und die Jugendlichen fachkundig begleitet hat, erklärte, wie groß die Kästen entsprechend der vom Nabu geforderten Mindestinnenmaße sein müssen und wo man sie am besten aufhängt. Dabei scheint der Schulhof der Grafenbergschule in der Nähe des abgerissenen Breuninger-Areals interessant, da in den Mauern des verlassenen Fabrikgeländes nun keine Brutmöglichkeiten mehr vorhanden sind. Denn Mauersegler sind ortstreu, das heißt, sie kehren zum Brüten immer wieder in die gleiche Gegend zurück. Die Flugkünstler machen nahezu alles in der Luft, während des Fliegens: essen und auch schlafen. Dass die Vögel auch beim Fliegen, na ja, was wohl, also das machen, was zum Leben auch dazugehört, löste bei den Schülerinnen und Schülern größte Heiterkeit aus.

Durch die Unterstützung der Johann-Philipp-Palm-Stiftung für den Kauf einer Schleifmaschine wurde es möglich, den Feinschliff zu machen. Diese Maschine wird nun in weiteren Holzprojekten zum Einsatz kommen. Und alle hoffen, dass die Schülerinnen und Schüler der Grafenbergschule bald wieder in ihren Werkstätten sägen, montieren und schleifen können.

 

Quelle
Schorndorfer Nachrichten, 28.05.20, B1
Pressearbeit
sa / Grafenbergschule