Grafenbergschule ist Namibias Partner

Namibia an der Grafenbergschule
Namibische Berufschullehrer werden in Elektrotechnik und Sanitärtechnik weitergebildet. Ganz rechts Lehrer Achim Reisner. Bild: Steinemann

Deutsch-namibische Entwicklungszusammenarbeit in der dualen Ausbildung an der Grafenbergschule in Schorndorf

„Ich möchte lernen, wie wir die Technologien, die wir in Namibia jeden Tag nutzen, auch am besten unterrichten können“, begründet Hikka Gamana Skipena ihre Motivation, am ProVET Projekt teilzunehmen. Deutsche Berufsschullehrkräfte, auch aus Schorndorf, unterstützen beim Projekt „Training for Trainers“die namibischen Kollegen in der Umsetzung der dualen Ausbildung in ihrem Heimatland.

Hikka Gamana Skipena ist Berufsschullehrerin. Sie erfährt an der Grafenbergschule, wie das Wissen über Technologien vermittelt werden kann. Und so unterstützen Berufsschullehrkräfte aus Schorndorf im Rahmen des Projekts „Training for Trainers“ ihre namibischen Kolleginnen und Kollegen in der Umsetzung der dualen Ausbildung. Konkret geht es um die Frage: „Wie unterrichte ich Elektrotechnik so, dass die jungen Menschen motiviert und fachlich hoch qualifiziert werden, damit sie später eine berufliche Perspektive haben?“, teilen die Teilnehmer des Projekts mit.
ProVET steht für Pro Vocational Education Training, zu Deutsch etwa „Für die Ausbildung zur beruflichen Bildung“, einem Projekt, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) entwickelt hat. Politischer Träger ist das namibische Bildungsministerium, die konkrete Umsetzung des Austausches und der Schulungen liegt in der Hand der Landesakademie für berufliche Bildung in Esslingen. Dabei kooperieren die deutschen und namibischen Lehrer bei der Einführung in neue Berufsbilder und der Ausund Weiterbildung der Lehrkräfte.
Neben diesen zwei Komponenten spielen die Finanzierung durch die GIZ und die Einbindung von Unternehmen eine wichtige Rolle. Leif Puschmann, Projektleiter auf Seiten der GIZ, und Sabine Harsch, Projektleiterin auf Seiten der Landesakademie, betonen, dass diese vier Pfeiler der Zusammenarbeit für die Zukunft und Lebensumstände vieler junger Namibier extrem wichtig sind. Zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit liege die Arbeitslosigkeit bei über 30 Prozent, ein Großteil der Bevölkerung lebe in Armut, besonders betroffen seien Jugendliche ohne fundierte Ausbildung in ländlichen Gebieten. „Und das sind viele, sehr viele“, teilen die Projektleiter mit.
Wüste oder Landwirtschaft, Windhuk als einzige Stadt, es ist die Hauptstadt Namibias sowie das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes, keine Industrie und gerade einmal acht Berufsschulen im ganzen Land seien keine gute Basis, um eine zielführende Ausbildung in Industrie oder Handwerk und vor allem die Motivation junger Menschen zu fördern, heißt es.
Philepus Hanninga, 29, ebenfalls Lehrer für Elektrotechnik, ist bereits das zweite Mal in Deutschland. Schon nach seinem ersten dreimonatigen Aufenthalt stellte er sich immer wieder die Frage: „Wie schafft ihr es in Deutschland, die Jugendlichen zur Arbeit zu motivieren?“ Unweigerlich aber stellt sich auch die Frage, ob harte Arbeit gleich ein glückliches Leben bedeute.

In Schorndorf werden Lehrkräfte aus Namibia geschult

Wie kommen nun die 14 Lehrer und drei Lehrerinnen (17 von insgesamt ungefähr 25 Lehrern für Elektrotechnik in ganz Namibia) gerade nach Schorndorf? Bernd Seitz und Achim Reisner, Lehrer für Elektrotechnik an der Grafenbergschule Schorndorf, bewarben sich für das Projekt und wurden ausgewählt. Damit wurde die Grafenbergschule zur Partnerschule. Nun wartet ein ganzes Stück zusätzlicher Arbeit auf die beiden.
Die Schulungen der Namibier müssen vorbereitet, ausgewertet und dokumentiert werden, alles selbstverständlich auf Englisch. Hinzu kommt, dass die beiden ihren gesamten Unterricht während ihres eigenen Aufenthaltes in Namibia nachholen müssen. Dennoch seien sie hoch motiviert und überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit den namibischen Kollegen bereichernd sei und neue Sichtweisen eröffne: „Man reflektiert, woher man kommt, wie das eigene Schulsystem funktioniert“, sagen sie.
Bevor sie sich im Elektrolabor an die praktische Arbeit machen, wird die namibische Delegation, begleitet vom Unterstaatssekretär des Namibischen Bildungsministeriums und dem Direktor der Namibian Training Authority (Behörde zur Förderung der Berufsausbildung), von Schulleiter Stefan Weißert begrüßt. Beim Empfang richtet Dr. Raimo Naanda vom Bildungsministerium Grußworte an seine Landsleute: „Wir wollen Sie moralisch unterstützen und Ihnen unsere Wertschätzung zeigen“.

International

Die Grafenbergschule ist international geworden, der Besuch aus dem Ausland sei fast keine Besonderheit mehr: Delegationen aus Russland, Frankreich, China oder Thailand haben die Schule schon besucht. Nicht zuletzt ist eine bunte Schülerschaft aus vielen verschiedenen Nationen gelebter Alltag – mit all seinen Bereicherungen und Herausforderungen.
 

Quelle
Schorndorfer Nachrichten, 15.03.17, B2
Pressearbeit
sa / Grafenbergschule