Hilfe beim Buddeln und Bewerben

Schülereinstz
Im September war das Stückle auf dem Grafenberg noch ganz verwildert. Das hat sich geändert – dank des tatkräftigen Einsatzes der AV-Dual-Schüler der Grafenbergschule. Bilder: Schneider
Betreuende Personen
Auch sie sind auf dem Stückle aktiv: Werkstattlehrer Tim Landau und Bosch-Talent Martin Freihart (rechts).

Soziales Engagement: Angehende Führungskräfte der Firma Bosch unterstützen AV-Dual-Schüler der Grafenbergschule

Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Pienek

Auf Ästen und Zäunen hängt der Raureif, die Temperaturen sind deutlich in den Minusbereich gesackt. Auf dem Stückle am Grafenberg wird trotzdem geschafft, mit Hacken und Spaten: Sieben AV-Dual-Schüler bringen das von der Grafenbergschule gepachtete Grundstück auf Vordermann – dank einer Kooperation gemeinsam mit angehenden Führungskräften der Firma Bosch, die den Jugendlichen auch im Bewerbertraining helfen.

Wer bei Bosch was werden will, muss sich auch sozial engagieren. Dass drei angehende Führungskräfte dies auf dem Grafenberg tun, ist einem persönlichen Kontakt aus der Schule heraus zu verdanken. Doch es profitieren alle: Für Martin Freihart und seine beiden Kolleginnen ist der wöchentliche Einsatz auf dem Stückle eine wertvolle Erfahrung beim Erklimmen der Karriereleiter. Und die AV-Dual-Schüler, die gewiss nicht zu den privilegiertesten gehören, bekommen durch die Erd-, Pflaster und Holzarbeiten auf dem Stückle einen besseren Einblick ins Berufsleben und werden obendrein im Bewerbertraining auf ihrem Weg in den Beruf unterstützt.
Und dass seit Mitte September auf dem Stückle geschafft wird, ist nicht zu verkennen: Meterhoch bedeckte Gestrüpp das schmale 1000-Quadratmeter-Grundstück. Einen ganzen Berg Müll und Schutt haben Schüler und Boschler zusammengetragen. Seitdem Werkstattlehrer Tim Landau mit einem Bagger die groben Vorarbeiten erledigt hat, können die Schüler mit Spaten und Hacken weitermachen. Bis Schuljahresende soll eine Terrasse angelegt sein. Im kommenden Jahr ist die Hütte dahinter an der Reihe. Schließlich sollen hier irgendwann Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss feiern können. „Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt“, sagt Suse Freudenreich, stellvertretende Schulleiterin und Abteilungsleiterin für den AV-Dual-Bereich. Im Jahr 2014 vom Land als Schulversuch eingerichtet, soll AV-Dual Schülerinnen und Schülern, die keinen Abschluss haben oder aus anderen Gründen noch nicht ausbildungsreif sind, den Weg ins Berufsleben erleichtern. Das geschieht im Unterricht in der Schule, mit Unterstützung einer beim Landkreis angesiedelten Sozialpädagogin, aber eben auch in berufsorientierenden Praktika in mehr als 100 Kooperationsbetrieben im Umkreis.

Bewerbertraining – damit keiner auf der Strecke bleibt

Dass sich im Kooperationsprojekt von sieben Bosch-Talenten vier für das Bewerbertraining der AV-Dual-Schüler engagieren, macht die Sache noch besser. Denn diese Unterstützung kommt allen vier Klassen zugute, in denen mittlerweile die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine Fluchtgeschichte hat. Für Fachgruppenleiter Norbert Hübsch ist das Engagement der Boschler eine wertvolle Bereicherung für das Ziel „die Schüler in Arbeit zu bringen“. Und die Chancen stehen gut: „Bei uns bleibt keiner auf der Strecke“, sagt der Berufsschullehrer und ist froh, dass schon bisher bis zu 70 Prozent der AV-Dual-Schüler einen Ausbildungsplatz ergattern konnten. Ein Teil seiner Schülerinnen und Schüler geht im Anschluss weiter zur Schule oder nutzt weitere Fördermaßnahmen der Arbeitsagentur. Beim Schaffen auf dem Grafenberg geraten die sieben Schüler der Werkstattgruppe, die gerade mal vor ein, zwei Jahren aus Afghanistan, dem Senegal oder Syrien nach Deutschland gekommen sind und zunächst in der Vorbereitungsklasse waren, jedenfalls kräftig ins Schwitzen. Seit Schuljahresanfang kommen sie, wenn’s nicht gerade in Strömen regnet, jeden Mittwoch auf das Stückle, das zu Fuß keine 20 Minuten von der Schule entfernt ist und bei gutem Wetter einen grandiosen Blick über ganz Schorndorf bietet. Und die anstrengende Arbeit macht Spaß – trotz Eiseskälte.

AV-Dual

AV-Dual steht für „Duale Ausbildungsvorbereitung“ und wurde 2014 als Schulversuch vom Land Baden-Württemberg eingerichtet. Ziel der Reform ist es, „mehr Jugendlichen den direkten Übergang von der Schule in eine Ausbildung zu ermöglichen“. AV-Dual sieht neben einer Pädagogik des individualisierten Lernens mit unterschiedlichen Bildungszielen eine verstärkte Einbindung von Betriebspraktika vor. Jugendliche, die noch nicht ausbildungsreif sind, gehen also zur Schule, können zum Beispiel den Hauptschulabschluss nachholen oder ein zehntes Jahr anhängen, und absolvieren berufsorientierende Praktika, mit dem Ziel, sich bei einem Unternehmen für eine anschließende Ausbildung zu empfehlen.
AV-Dual ermöglicht benachteiligten Jugendlichen den frühen Kontakt zur Berufswelt, eröffnet konkrete Anschlussperspektiven und führt an die Leistungsprinzipien des Erwerbslebens heran. Es profitieren aber auch die Betriebe: In Zeiten des Fachkräftemangels fallen weniger Jugendliche durchs Raster.
 

Quelle
Schorndorfer Nachrichten, 09.12.16, B2
Pressearbeit
sa / Grafenbergschule